Der erste Bücherstammtisch (26.09.19)

Am 26.09. fand zum ersten Mal unser neues Projekt, die Idee des Bücherstammtisches, statt. Um allen Mitgliedern und Interessierten die Möglichkeit zu geben, über die Bücher (eines jeden Fachgebietes) zu sprechen, die Sie in der letzten Zeit – oder vor Jahren, in denen die unvergessliche Lektüre überdauerte – gelesen haben, trafen wir uns in der Stadtbibliothek in Arnsberg, in der auch alle kommenden Treffen stattfinden werden.

Es gab bei diesem ersten Treffen nur eine kleine Zahl an Besuchern, doch das störte den Enthusiasmus nicht, mit dem wir die Bücher besprachen. Und die Auswahl ist tatsächlich Grund zu einer jeden angeregten Diskussion, hier ein Einblick in die präsentierten Werke:

  1. Eine angekündigte Besprechung von David Foster Wallace‘ Jahrhundertroman (der diese Bezeichnung lächelnd hinter sich lässt), „Unendlicher Spaß“ (engl. „Infinite Jest“), in der die Eckdaten dargelegt wurden, die bei der Auseinandersetzung helfen können. Wir werden dieses Werk bei den kommenden Treffen ausführlicher besprechen.
  2. „Erinnerung eines Mädchens“ („Mémoire de fille“), verfasst von Annie Ernaux, in dem liebevoll die ersten Erwachsenenjahre und damit verbundenen Einschränkungen einer jungen Französin gezeigt werden, die mit dem Unverständnis ihres Umfelds gegenüber ihrem literarischen Interesse zurechtkommen muss.
  3. „Das Liebesleben der Hyäne“ („Women“) von Charles Bukowski, in dem unaufdringlich, aber höchst präzise und mit einmaliger Ehrlichkeit das Psychogramm eines Mannes erstellt wird, der in seiner Neurotik und Ichbezogenheit auch einen Spiegel der westlichen Welt darzustellen vermag.
  4. „Acht Berge“ („Le otto montagne“, es kommen allerdings keine Ottifanten vor), verfasst von Paolo Cognetti, das eindrucksvoll eine Freundschaft beschreibt, die gezwungen ist, innere Brüche und die (als solche empfundene) Leere junger Erwachsener zu überstehen, was sich in der Kargheit und scheinbaren Teilnahmslosigkeit der Naturbeschreibungen im Verborgenen spiegelt.
  5. Das Werk Wolfgang Hilbigs, vor allem Lyrik und seine Erzählung „Die Weiber“, das uns mehr oder weniger sprachlos zurückließ, was für die Rezeption von Literatur niemals ein schlechtes Zeichen ist (wir lassen Simmel mal aus dem Spiel). In einem Reigen der Verzweiflung, der eine ungemeine Physis ausdrückt, wird das Wirrwarr des Inneren durch äußerliche Verwesungs- und Isolationsprozesse beschrieben; eine Lektüre, die schmerzhaft sein kann, weil sie den Blick unweigerlich auf einen jeden Lesenden lenkt. Mehr kann man von Literatur kaum erwarten.

Wie Sie sehen, war es eine beeindruckende Auswahl und ein Einstieg in dieses Programm, der nichts zu wünschen übrig ließ.

Wir danken den Teilnehmenden und freuen uns sehr, mit Ihnen am 28. November dieses Jahres wieder ins Gespräch über die Bücher zu kommen, die Sie – und damit auch uns – faszinieren.